Wann wurde SUP Yoga erfunden?
Einen Erfinder mit Datum und Urkunde gibt es nicht. SUP Yoga ist um das Jahr 2010 an mehreren Orten gleichzeitig entstanden, als Stand-up-Paddling gerade populär wurde und Yogalehrende das breite Brett als Übungsfläche entdeckten.
Die Vorgeschichte: Paddeln im Stehen
Menschen stehen seit Jahrhunderten paddelnd auf Booten und Flößen – Fischer in Polynesien und Südamerika ebenso wie Flussschiffer in Europa. Das heutige Stand-up-Paddling hat seine direkten Wurzeln aber auf Hawaii. In Waikiki nutzten Surflehrer etwa ab den 1940er-Jahren große Bretter und ein Paddel, um im Stehen zwischen ihren Schülern hin- und herzufahren und die Wellen besser zu überblicken. Sie wurden als „Beach Boys“ bekannt.
Lange blieb das eine Randerscheinung. Erst Anfang der 2000er-Jahre griffen bekannte Big-Wave-Surfer wie Laird Hamilton und Dave Kalama die Technik wieder auf, zunächst als Training für Tage ohne Wellen. Hersteller brachten eigene SUP-Boards heraus, und ab etwa 2005 verbreitete sich der Sport von Hawaii und Kalifornien aus in die ganze Welt.
Die Wende: das aufblasbare Board
Für die Verbreitung auf Binnenseen war eine technische Neuerung entscheidend: das aufblasbare SUP mit Drop-Stitch-Kern. Tausende feine Fäden verbinden dabei Ober- und Unterseite, sodass das Board unter Druck fast so steif wird wie ein Hardboard. Aufgerollt passt es in einen Rucksack. Damit konnten Kursanbieter und Privatleute auch an Seen ohne Bootshaus und Lagerraum paddeln – eine Voraussetzung für Gruppenkurse, wie sie beim SUP Yoga üblich sind.
Erste Yogastunden auf dem Wasser
Um 2009 und 2010 tauchten an verschiedenen Orten die ersten Angebote auf, die Yoga ausdrücklich auf das Paddleboard verlegten – in den USA, in der Karibik und in Australien. Die schwedische Yogalehrerin Rachel Brathen wird oft als Pionierin genannt, weil sie Yoga auf dem Brett in ihre Urlaubskurse aufnahm und damit viel Aufmerksamkeit bekam. Sie selbst hat aber betont, die Idee nicht erfunden zu haben. Das passt zum Gesamtbild: Viele Lehrende hatten zur selben Zeit denselben Einfall.
Berichte in großen Zeitungen und später Bilder in sozialen Netzwerken machten das Format ab etwa 2012 bekannt. Eindrucksvolle Fotos von Kopfständen auf spiegelglattem Wasser taten ihr Übriges.
Ankunft in Deutschland
Im deutschsprachigen Raum tauchten SUP-Yoga-Kurse ab den frühen 2010er-Jahren auf, zunächst an Surfschulen und SUP-Stationen an größeren Seen, später auch in Yogastudios, die im Sommer mit Boards ins Freie gehen. Heute gehört SUP Yoga in vielen Regionen zum normalen Sommerprogramm, von Badeseen in Bayern bis zu Hafenbecken in Norddeutschland. Die Saison ist wegen der Wassertemperatur meist auf Mai bis September begrenzt.
Wie sich die Kurse verändert haben
Die ersten Stunden waren oft improvisiert: Boards mit glatten Oberflächen, keine Anker, viel Zeit zum Einsammeln abgetriebener Teilnehmender. Inzwischen hat sich einiges eingespielt:
- Eigene Board-Formen mit mehr Breite und durchgehendem Deckpad, siehe Unterschied zwischen Yoga-SUP und normalem Board.
- Anker oder Leinensysteme, an denen eine ganze Gruppe festgemacht wird.
- Eigene Kursformate wie Yin-Stunden, Stunden zum Sonnenaufgang oder Pilates auf dem Board.
- Fortbildungen für Yogalehrende, die Wasserkunde und Rettungsgrundlagen einschließen.
Warum gerade Yoga?
Dass ausgerechnet Yoga den Weg aufs Board fand, ist kein Zufall. Beide Szenen überschnitten sich schon früh: Surfer nutzten Yoga seit den 1970er-Jahren zur Dehnung und Atemschulung, und viele Surfcamps boten Yoga als Ausgleich an. Als die breiten SUP-Boards aufkamen, lag die Idee nahe, beides zu verbinden. Das Board ist stabil genug für Positionen, aber wackelig genug, um sie neu erleben zu lassen.
Hinzu kam ein Zeitgeist, der Bewegung in der Natur und Achtsamkeit zusammenbrachte. Yoga im Park, am Strand oder auf dem Berg war ohnehin in Mode, das Wasser war nur der nächste Schritt. Und schließlich spielte die Fotografie eine Rolle: Silhouetten auf spiegelndem Wasser sind außergewöhnlich fotogen, und die Bilder machten das Format bekannter als jede Werbung.
Kritische Stimmen merken an, dass SUP Yoga mit der traditionellen Yogalehre wenig zu tun hat. Das stimmt – es ist eine moderne Übungsform, die Körperübungen aus dem Hatha-Yoga übernimmt, aber keine eigene Philosophie mitbringt.
SUP Yoga hat keinen einzelnen Erfinder: Es entstand um 2009/2010 an mehreren Orten, getragen vom SUP-Boom und von aufblasbaren Boards.
Kurz gefragt
Wer hat SUP Yoga erfunden?
Eine einzelne Person lässt sich nicht nennen. Rachel Brathen gilt als frühe Wegbereiterin, hat aber selbst gesagt, dass sie die Idee nicht erfunden hat.
Seit wann gibt es SUP Yoga in Deutschland?
Kurse gibt es seit den frühen 2010er-Jahren, anfangs vor allem an Surf- und SUP-Stationen, heute auch bei vielen Yogastudios im Sommer.